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May 29, 2008 um 12:00 Uhr
Patrick Knoedler (movie plus) und Guenter Winkler (MMP)
Patrick Knoedler (movie plus) und Guenter Winkler (MMP)

„Wir müssen 80 Prozent der Videotheken mitnehmen“

Das beste vorweg: Das Wort Krise, Videothekensterben oder andere desaströse Synonyme für die derzeitige Marktlage fielen in den ganzen fünf Stunden, die sich Knödler, Winkler und Stephan Howard, der seit Januar als Marketing-und Vertriebsleiter der e-group-Dachmarke Videotaxi Media Store fungiert, Zeit für das Gespräch nahmen, nicht.
Quasi auf den Index gesetzt verkennen die Kölner selbstredend nicht die Lage der Videotheken-Nation und nehmen diese mehr als ernst, dennoch hält man sich nicht mit Ursachenforschung auf.
„Die Situation heute ist normal“, sagt Günter Winkler. „Der Home-Entertainment-Markt ändert sich permanent und kontinuierlich, möglicherweise schneller als andere Märkte“, das gelte es zu akzeptieren, so Winkler weiter. Die Videotheken seien 20 Jahre ohne jegliches Marketing ausgekommen, weil die Kunden jahre(zehnte)lang auch so gekommen seien und das Geld extrem leicht zu verdienen gewesen sei.
Die Kauf-DVD, Raubkopien, das Internet und all die damit verbundenen Entwicklungen bedeuteten zugegebenermaßen drastische Veränderungen, die über Videotheken hinweg gefegt sind. Auch der jüngste Einbruch im HC-Segment sei laut Winkler absehbar gewesen. „28 Jahre Abo-Geschäft: ein Traum für alle Beteiligten - bis dato. Schauen wir uns den Erotikmarkt doch jetzt mal an: da trifft Not auf Elend“. Angesichts der Schwemme von Anbietern und Produkt gelte es, gemeinsam mit der Industrie Qualitätssicherung zu betreiben und damit – nicht abwendbar – die Spreu vom Weizen zu trennen, fordert Winkler.

Doch zunächst einmal hallt nur der große Katzenjammer ob der ungewissen Zukunft und der zahlreichen Damoklesschwerter im Videothekenmarkt wider.
Das will man in Köln nicht mehr gelten lassen bzw. hören (und trifft offensichtlich den Nerv vieler weiterer Marktteilnehmer): „Wir vermarkten keine trendabhängigen Produkte, wir vermarkten Home Entertainment. Hat irgendwer schon mal gehört, dass Filme, Games, Musik „unmodern“, nicht mehr gefragt sind? Quatsch – es gibt nur neue, zusätzliche Wege – damit auch Mitbewerber - und Möglichkeiten für den Konsumenten, sich mit diesem Produkt einzudecken.“ Und diesen zusätzlichen Herausforderungen gelte es, sich zu stellen.

Ungewissheit bzw. das Warten auf Wunder stehen bei der e-group zudem auch auf dem „Index“. Mit exponierten Aktionen und konkreten Maßnahmen, fest installierten und übergreifenden Tools und ausgeklügeltem Service will die e-group ihren 500 Videotheken bzw. Partnern die Zukunft als Fachhandel für Home Entertainment-Produkt sichern.

Der Zusammenschluss der MMP und movie plus fokussiere nicht die Kostenersparnis, sondern die Erweiterung des Servcies, erklärten Winkler und Knödler. Man sehe sich längst nicht mehr als reine Einkaufsgemeinschaft, sondern als Fullfill-Service-Dienstleister, der immer den Store und nicht die Organisation im Mittelpunkt sehe; Konzepte um den Einkauf herum entwickle und den Partnern Hilfestellung geben wolle, die Konzepte im Verleih, im Verkauf, im Convencience und im Internet auszuschöpfen. Dabei stehen zwei Intentionen im Vordergrund: „Erstens sollen unsereTools die Qualitätssteigerung jedes EINZELNEN Händlers sichern“, so Howard.
Und zweitens seien die Zeiten des Einzelkämpfer definitiv vorbei.
Das hört sich widersprüchlich an?
Nein.

„Einzelkämpfertum funktioniert schon lange nicht mehr; letzendlich killt sowieso jede Preisverhandlung solcherartige Ambition. Viele Videothekare arbeiten zudem nicht AN, sondern nur noch IN ihren Umternehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich heute – Industrie- aber auch Gruppenseitig – meistens nur um 300 Ausnahme-Videothekare gekümmert wird, die zweifelsohne erfolgreich sind und wissen, wie sie ihr Geschäft zu machen haben.“, moniert Winkler.

Ist das bei der e-group anders?
„Ja! Wir wollen ALLE mitnehmen unserer 500 Partner; nicht nur die großen, sondern eben auch die schweigende Mehrheit der mittleren und kleinen Outlets, die aber klasse Standorte und Geschäfte haben“, so Winkler.
Und genau das sollten sich auch alle anderen Gruppen auf die Fahne schreiben, denn wenn das Marktvolumen unter 2.500 Videotheken sinke, so ist man sich in Köln gewiss, wird der stationäre Vermiethandel nicht nur bei der Major-Industrie keine ernstzunehmende Rolle mehr spielen. Gut, man könne damit leben, wenn die maximal 20 Prozent der „Margots Videotheken“ (Anm.d.Red.: Benutzter Begriff in dem Videotheken-feindlichen TV-Spot von videoload.de mit TV-Komiker Bastian Pastewka) abstürben – schädigen sie doch ohnehin nur noch das Gesamtimage der Branche. Somit müssen 80 Prozent der Videotheken in eine gesicherte Zukunft gehen können.
Denn: „500 Videotheken bundesweit sind kein Markt mehr“, warnt Howard.

Wie soll jetzt aber jeder Händler individuell gestärkt werden?

„Ein Videothekar kann nicht gleichzeitig Marktforscher, Marketing-Profi, Steuerrechtler, Programmierer sein und nebenbei noch Einzelhändler“, so Patrick Knödler. Vielmehr müsse die Zentrale sich auf die Fahne schreiben, Trends zu erkennen, veränderte Bedürfnisse im Markt, in Technik, bei Konsumenten für die Partner zu analysieren und entsprechende Konzepte zu diesen zu transportieren. Und diese Konzepte dann noch modular anzubieten, d.h. für die indivudellen Bedürfnisse eines jeden Partners. Erst dann könne der Handel seine Kapazitäten und Potentiale bestmöglich nutzen, ohne sein elementares Business zu vernachlässigen und profitabel an seinem Standort agieren.

Flexibel sollen die Ex-MMP-und movie-plus-Partner auch bei ihrer Entscheidung in Sachen Dachmarke Videotaxi Media Store bleiben. Natürlich könne man als Videotaxi-Partner zu 100 Prozent ins die Kommunikationstools eingebunden werden, doch auch diejenigen, die ihre eigene Marke zunächst behalten wollten, können am sg. Partnershop-Konzept und dessen Vorteilen partizipieren (ausführlich hierzu in der nächsten Ausgabe).

Und an bereits umgesetzten und erprobten Maßnahmen mangelt es bei e-group-Partnern nicht: Von Kommunikationswergzeugen wie dem Pane, eine Art Intranet, in dem die 500 Partner mtieinander im regelmäßigen Austausch und Dialog stehen, regelmäßigen Meetings, Store Checks usw. über Marketing – und PoS-Maßnahmen wie exaltierten Kaufaktionen, Instore-TV, Web-TV „Die Klappe“, Onlineplattform via Videotaxi.de, personalisierte Directmails an Endkunden, Kundenmagazin usw. - zum Großteil bereits in täglichem Gebrauch und Prüfung, werden weitere exponierte Aktion in diesem Jahr sowohl im Spielfilm- als auch im HC-Segment stattfinden.

Diese werden in MEDIENinsight ab der nächsten Ausgabe im einzelnen und mit Praxisbeispielen aus e-group-Outlets vorgestellt.
 
Die versammelte Mannschaft der e-groupStephan Howard (Marketing- und Vertriebsleiter Video Taxi)e-group Dreamteam: Patrick Knoedler, Stephan Howard, Guenter Winkler (v.l.n.r.)
Language: de en

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