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19. Oktober 2011 um 16:33 Uhr
Prof. Dieter Kempf
Prof. Dieter Kempf

BITKOM-Konzept für offenen Zugang zu Highspeed-Netzen

Der Hightech-Verband BITKOM hat ein Konzept für den offenen Zugang zu Breitband-Technologien vorgestellt. Dieses Konzept mit dem Fachbegriff „Open Access“ soll zum schnelleren Ausbau von hochleistungsfähigen Internetzugängen beitragen.

 

„Wir wollen sicherstellen, dass Internet-Zugangsanbieter auch die Glasfaser-Netze anderer Betreiber nutzen können“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. „Die Glasfaser-Netze brauchen Milliarden-Investitionen der Wirtschaft. Es ist nicht zu erwarten, dass mehrere Netzbetreiber am gleichen Ort solche Netze ausbauen. Deshalb sind Kooperationen unerlässlich.“

 

Auf Basis des BITKOM-Konzepts können Internet-Zugangsanbieter, die in einer Region kein eigenes Netz betreiben, ihre Produkte über das Netz eines Wettbewerbers anbieten. „Open Access ermöglicht allen Providern, Internet-Zugänge mit gesicherter Qualität und Bandbreite bundesweit anzubieten. Es sorgt für mehr Wettbewerb und für mehr Auswahl der Verbraucher“, erläutert Kempf. Das Potenzial der hohen Investitionen werde besser ausgeschöpft, und es werde marktbeherrschenden Stellungen einzelner Unternehmen vorgebeugt.

 

Die im BITKOM organisierten Internet-Zugangsanbieter haben sich auf das neue Konzept geeinigt. „Das Open-Access-Konzept des BITKOM ist eine vorausschauende Alternative zu einer staatlichen Regulierung und kann damit neue politische Eingriffe in den Breitband-Markt ein Stück weit verzichtbar machen“, so Kempf.

 

Das Konzept basiert auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und Technologieneutralität, ermöglicht einen transparenten und diskriminierungsfreien Zugang zur passiven und aktiven Infrastruktur und stellt damit eine angemessene Lösung zur Sicherstellung eines wettbewerblichen Umfeldes beim Ausbau von NGA-Netzen im Interesse der Verbraucher und Geschäftskunden dar.

 

Die Breitbandstrategie des Bundes strebt einen zügigen Ausbau von Hochleistungsnetzen an. Bis 2014 sollen 75 Prozent der Haushalte über Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen können. Dieses ehrgeizige Ziel erfordert massive Investitionen zur Schaffung neuer Glasfasernetze und moderner, glasfaserbasierter Kabelnetze (sog. HFC-Netze), welche die rein kupferbasierten Netze, sofern erforderlich, zukünftig ersetzen werden.

 

Ein flächendeckender oder gar bundesweiter Ausbau kann deshalb gegebenenfalls nicht von jeweils einzelnen Unternehmen getragen werden. Ein oftmals regionaler oder lokaler, zum Teil auch ein gemeinsamer Aufbau und Betrieb solcher Netze kann durch vielfältige Initiativen, wie beispielsweise durch Co-Invest-Modelle, praktiziert werden, an denen zahlreiche Marktteilnehmer wie integrierte Telekommunikationsunternehmen, reine Dienstleistungsanbieter, Stadtwerke, Energieversorgungsunternehmen und andere Anbieter passiver Infrastruktur beteiligt sind.

 

In der Folge wird die künftige Markt- und Wettbewerbslandschaft durch eine heterogener werdende, Multi-Carrier- und Multi-Technologie-Umgebung charakterisiert sein. laut BITKOM ist daher die Entstehung einer heterogenen Infrastruktur aus regionalen Glasfaser- und glasfaserbasierten Kabelnetzen zu erwarten. Es wird dabei in vielen Fällen auch zukünftig den gewünschten, intensiven Infrastrukturwettbewerb zwischen neuen Glasfasernetzen und modernen Kabelnetzen sowie zukünftig auch immer stärker durch leistungsfähige, funkbasierte Netze (z.B. LTE-A) geben. Eine Duplizierung von völlig neu errichteten Netzen („Greenfield“) ist jedoch wegen des hohen Fixkostenanteils an den Gesamtkosten meistens ökonomisch nicht sinnvoll.

 

Diese Netze müssen folglich einen Zugang auf der Vorleistungsebene ermöglichen, um auch bundesweit über regionale FTTB/FTTH-Netze ein möglichst vielfältiges Dienstleistungsangebot für die Endkunden mit möglichst einheitlichen Leistungsmerkmalen (z.B. Bandbreite und Qualität) im Wettbewerb zur Verfügung stellen zu können.

 

Open Access Zugangsmodelle sind hierfür ein sinnvolles Lösungskonzept. Dies erleichtert auch ein wettbewerbliches Umfeld beim Ausbau dieser neuen Netze und eine effiziente Nutzung von Netzkapazitäten. Wesentliches Merkmal des derzeit diskutierten Open Access Begriffs ist dabei immer die freiwillige Gewährung von Netzzugang im Gegensatz zu reguliertem Zugang. Open Access als Lösungskonzept kann daher prinzipiell auch als Alternative zur herkömmlichen Regulierung dazu beitragen, regulatorische Eingriffe überflüssig zu machen. Beim gemeinsamen Aufbau und dem Betrieb  sollte die Gewährleistung von Interoperabilität, die Förderung von Investitionen und Innovation sowie die Sicherung von Wettbewerb und Wahlfreiheit der Endverbraucher im Mittelpunkt stehen.

 

Quelle: BITKOM
 
Sprache: de en

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