Die Walt Disney Company hat die US-Filmproduktions- und Verleihgesellschaft Miramax für umgerechnet rund 506 Millionen Euro an eine kalifornische Investorengruppe verkauft.
Miramax wurde 1979 von den Brüdern Harvey und Bob Weinstein zum Verleih von Filmen gegründet, die außerhalb von Hollywood entstanden, also fremdsprachige und vor allem Independent-Filme, die in den 1980er Jahren keinen Zutritt zum starren Studio-System fanden und als kommerziell unattraktiv galten. 1993 erwarb Disney das Unternehmen für rund 75 Millionen US-Dollar. Die Produktion von Filmen wurde für das Studio über die Jahre jedoch mit steigender Konkurrenz immer teurer.
2004 kam es aufgrund von Differenzen bezüglich des Verleihs der Michael Moore-Dokumentation „Fahrenheit 9/11“ zum Bruch zwischend den Weinsteins und Disney. 2005 verließen sie schließlich das Unternehmen. Am 29. Januar 2010 gab Disney bekannt, Miramax, das einstmals zu den 10 erfolgreichsten Studios in Hollywood zählte, zu schließen und alle Mitarbeiter zu entlassen. Es sollen keine weiteren Filme mehr veröffentlicht werden, obwohl sich noch sechs unveröffentlichte und fertiggestellte Produktionen im Repertoire des Verleihs befinden.
In den sechs vergangenen Monaten verhandelte Disney mit potenziellen Käufern. Der geforderte Preis war hoch. Die rund 700 Titel umfassende Miramax-Filmbibliothek, zu der unter anderem „Chicago“, „Shakespeare in Love“, „Scary Movie“, „Der englische Patient“ und „Aviator“ gehören, wird auf einen Wert von etwa 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Auch die Weinstein-Brüder boten mit, das Rennen machte jedoch eine kalifornische Investorengruppe rund um den Bauunternehmer Ron Tutor. Tutor zahlte bereits 40 Millionen US-Dollar im Voraus und legte einen Finanzierungsplan vor.
„Wir sind sehr stolz auf die vielen Errungenschaften von Miramax. Die Walt Disney Studios wollen sich jedoch derzeit mehr auf die Entwicklung großer Spielfilme unter den Marken Disney, Pixar und Marvel zu konzentrieren“, kommentierte Disney-Chef Robert A. Iger den Verkkauf von Miramax. Erst diese Woche hatte Disney für 500 Millionen US-Dollar den Social Games-Spielentwickler Playdom übernommen.